Betriebliches Eingliederungsmanagement: Herausforderung nach psychischer Überlastung

Die Arbeitsausfälle wegen psychischer Erkrankungen haben einen Höchststand erreicht: Im Jahr 2022 wurden nach Auskunft des Bundesarbeitsministeriums mehr als 132 Millionen psychisch verursachte Fehltage registriert. Damit haben sich die Zahlen innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt. Dies stellt immer neue Anforderungen an das Betriebliche Eingliederungsmanagement. Professor Dr. Jochen Prümper und KollegInnen (Berlin) sehen hier deutliche Defizite und bieten in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift WIRTSCHAFTSPSYCHOLOGIE nützliche Informationen zur Eingliederung betroffener Beschäftigter.

Psychisch überlastet fühlen sich in erster Linie Fachkräfte in Humandienstleistungen: Erziehung, Pflege u.ä.. Soziale Dissonanzen im Arbeitskontext stehen hier meist im Vordergrund, berichtet WIRTSCHAFTSPSYCHOLOGIE. Ein Zuviel an Arbeit, Zeitdruck, Unterbrechungen können zusätzlich belasten – und tendenziell am ehesten Angst auslösen. Demgegenüber können Leerlauf, Unterforderung, Sinnleere und Eintönigkeit eine antriebsschwache Haltung oder depressive Reaktionen triggern; im einschlägigen öffentlichen Diskurs werden derartige Zusammenhänge vorwiegend ignoriert. Das Mantra einer generell angewachsenen Arbeitslast hält den Daten nicht stand: In Wahrheit sinkt die effektive Arbeitszeit in Deutschland kontinuierlich. (In seinem letzten Interview formulierte Wolfgang Schäuble in der WELT „die bittere Wahrheit, dass wir zu wenig arbeiten.“)

Jannis Schläger und KollegInnen beschreiben in WIRTSCHAFTSPSYCHOLOGIE die Stigmatisierung psychisch Erkrankter als wesentliche Hürde im Betrieblichen Eingliederungsmanagement: Einerseits gelten Betroffene als weniger leistungsfähig und werden u.U. „rücksichtsvoll“ zurückgestellt, anderseits übernehmen sie u.U. selbst das Vorurteil und üben sich in Selbst-Diskriminierung. In einer Studie wurden „Beschäftigte mit einer diagnostizierten Depression befragt. 62,5% hatten Diskriminierungen bei der Arbeit erlebt und fast 60% hatten die Arbeitssuche wegen befürchteter Diskriminierung aufgegeben… Der Bedarf an Strategien zur Reduzierung von Stigmatisierung psychischer Beeinträchtigung ist auch heute noch hoch.“

Über die spezielle Ausgabe WIRTSCHAFTSPSYCHOLOGIE hinaus haben die AutorInnen für Betriebe und Betroffene Wissenswertes zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement übersichtlich und mit open access online zusammengestellt – unter: www.bempsy.de 

Wirtschaftspsychologie 2023-3
Betriebliches Eingliederungsmanagement
Prof. Dr. Jochen Prümper (Hrsg.)
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