Ingenieurpsychologie: neue, kritische Herausforderungen

„Die künstliche Intelligenz neigt dazu, einem nach dem Mund zu reden und teilweise die Wahrheit inkorrekt darzustellen, um NutzerInnen zu gefallen. Wenn wir uns daran gewöhnen, wäre es hochgradig problematisch, weil daraus unrealistisch hohe Erwartungen an menschliche Beziehungen resultieren können. Wir sehen darin v.a. eine Gefahr, wenn die jüngere Generation mit solchen KI-Agenten groß wird und diese Art von Beziehung wie selbstverständlich in ihr soziales Netzwerk einbettet,“ berichtet Prof. Dr. Nils Köbis in REPORT PSYCHOLOGIE. Die aktuelle Ausgabe der Fachzeitschrift fokussiert kritische Themen der Ingenieurspsychologie.

Köbis: „Dass eine KI bei ihren Entscheidungen Biases unterliegt und auch falsche Entscheidungen treffen kann, ist bekannt. Es gibt auch verschiedene Möglichkeiten, wie KI unser Verhalten negativ beeinflusst. Sie kann sich als Partner für unethisches Verhalten anbieten oder moralisch verwerfliche Ratschläge geben. Lt. Studien sind Menschen oft bereit, unethischen Empfehlungen von KI zu folgen. Auch geben Menschen unethische Handlungen gern an KI ab. Das scheint aus moralpsychologischer Perspektive sehr attraktiv zu sein, weil man sich unwissend stellen oder hinter dem Algorithmus verstecken kann, der augenscheinlich allein den Dirty Job erledigt …“ 

Prof. Dr. Marc Hassenzahl verdeutlicht, wie weit sich die Mensch-Technik-Interaktionsforschung fortentwickelt hat: Zunächst standen primär Produktivität und Usability im Focus; es folgte der Erlebnis-Effekt – mit Blick auf die menschlichen Grundbedürfnisse Autonomie, Verbundenheit, Kompetenz, Stimulation, Popularität, Körperlichkeit, Sicherheit. Zur Gestaltung gehört inzwischen die Überlegung, „wie eine Technik die Bedürfnisse der einen Person stimulieren kann, ohne die Bedürfnisse anderer Personen einzuschränken.“ Die neusten Entwicklungsschritte verlangen Rücksichtnehme auf die unmittelbare und mittelbare Umwelt. Beispielsweise lassen sich Interfaces von Waschmaschinen so gestalten, dass das Ökoprogramm überhäufig genutzt wird.

Report Psychologie 4/2025
Ingenieurpsychologie
Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) e.V. (Hrsg.)

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