Verhaltensstörung ADHS produktiv im Beruf nutzen

Etwa drei bis vier Prozent der erwachsenen Bevölkerung leiden unter einem Hyperaktivitätssyndrom (ADHS), (nach DSM5) einer Verhaltens- und Entwicklungsstörung: Im Arbeitskontext können v.a. die hohe Impulsivität und die extreme Fokussierung auf einzelne Ziele Irritationen auslösen. Dennoch können Führungskräfte mit ADHS-Syndrom ihre problematischen Eigenschaften produktiv als Stärken einsetzen. Die Chancen analysieren Dr. Anna-Pia Edelmann und Sara Christin Happel in der Fachzeitschrift WIRTSCHAFTSPSYCHOLOGIE (3/2025).

Die ADHS-Symptomatik kann die Zusammenarbeit innerhalb und außerhalb der Gruppe gefährden, Arbeitsabläufe destrukturieren, den Überblick behindern. Daher benötigt die/der Betroffene ein Team bzw. eine Kollegin/einen Kollegen mit Entlastungs- und Korrektivfunktion. Unter diesen gut organisierten Bedingungen kann die ADHS-Persönlichkeit ihre Stärken ausspielen:

  • Der Hyperfokus kann die Arbeitseffizienz steigern
  • Die hohe Impulsivität wird als Ressource für reichliche Energie wahrgenommen
  • Die hohe Kreativität stimuliert divergentes Denken und neben unbrauchbaren auch unerwartet weiterführende Ideen

„Hyperfokus ermöglicht es Führungskräften, in entscheidenden Phasen eine außergewöhnliche Konzentration auf komplexe Aufgaben oder kreative Problemlösungen zu richten. Die erhöhte Risikobereitschaft und ausgeprägtes divergentes Denken können in dynamischen Umfeldern zu innovativen Entscheidungsprozessen beitragen, indem sie konventionelle Denkweisen infrage stellen und unkonventionelle Lösungsansätze fördern. Darüber hinaus können ihre hohe Reaktionsgeschwindigkeit und Flexibilität bei wechselnden Anforderungen einen strategischen Vorteil in schnellebigen Branchen bieten.

Entscheidend für die Potenzialentfaltung ist die organisationale Einbettung, die die individuellen Stärken adressiert und unterstützende Strukturen bereitstellt,“  betonen Edelmann und Happel.

Wirtschaftspsychologie 2025-3
Gesundheit in der Arbeitswelt
Stephanie Kurzenhäuser-Carstens & Christian Dries (Hrsg.)

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