Wie Erwerbslose zur Integration in den Arbeitsmarkt abgeholt werden

Wie kann aufsuchende Sozialarbeit Langzeit-Arbeitslose trotz multipler Probleme für den Arbeitsmarkt zurückgewinnen?  Felix Behling und KollegInnen stellen ihr Modellprojekt LeiTAR in der aktuellen Ausgabe von ´Psychosoziale und Medizinische Rehabilitation´ vor:

„Im Flächenland Niedersachsen werden Versicherte in ländlichen Regionen schlecht oder gar nicht erreicht. Hier setzt das Modellprojekt an, indem es Arbeitslose im wörtlichen Sinn mit dem LeiTAR-Wagen ´abholt´ und auf den Weg in die Beschäftigung bringen will. Das multiprofessionelle Team, im Zusammenhang mit einem Gruppenangebot in einer beruflichen Rehabilitationseinrichtung sowie die enge Begleitung durch eine Peer Person (eine ehemalige Arbeitslose) stellen die Teilnehmenden in den Mittelpunkt. Die/der Teilnehmende ist Experte in eigener Sache, und alle Gruppen- sowie Einzelcoaching-Maßnahmen orientieren sich an der individuellen Lebensrealität der Teilnehmenden.

Die/der Peer stellt den Erstkontakt her, bereitet die Teilnehmenden auf die weiteren Teammitglieder vor und versucht bereits, die ersten Anknüpfungspunkte für eine ausführliche Problemanalyse herauszuarbeiten. Der Peeransatz stellt die kontinuierliche Begleitung der Teilnehmenden sicher und ist das Bindeglied zwischen Teilnehmenden und anderen Professionen. Dabei sind der Selbsthilfeansatz und die Unterstützung der positiven Gruppendynamik entscheidend.

Dazu werden die Teilnehmenden durch den Peer mit dem LeiTAR-Wagen abgeholt und in regionsnahen ´Räumen auf Zeit´ für eine Gruppenmaßnahme zusammengebracht. In einer Kick-Off-Gruppenveranstaltung stellen sich alle Teammitglieder vor und vereinbaren Termine für ein begleitendes Einzelcoaching.

Die Ziele des ersten gemeinsamen Gruppentreffens sind außerdem der Kontaktaufbau mit dem multiprofessionellen Team und die Stärkung der Gruppenbildung. Die Teilnehmenden sollen über das Ende der Trainingsmaßnahme hinaus wie eine Selbsthilfegruppe agieren und gegenseitige Hilfe leisten. Die Gruppentreffen sollen sich an den Bedürfnissen der Teilnehmenden orientieren und vor allem die Hilfe zur Selbsthilfe stärken. In der Gruppe wie auch in den Einzelcoachings werden mit den Teilnehmenden Werkzeuge zur Bewältigung beruflicher Integrationshemmnisse erarbeitet und mögliche Alternativen gesucht. 

Innerhalb von acht Wochen Gruppen- und Einzelcoaching soll für alle Teilnehmenden ein individueller Plan für einen beruflichen Neustart entstehen. Erste Hürden  oder Hemmnisse wurden bestenfalls überwunden und durch eine ambulante Anbindung  an weitere Unterstützungsangebote ergänzt. Dies ermöglicht es, die individuellen Ziele weiter zu verfolgen und durch die enge Vernetzung der Gruppe motiviert den Weg in eine berufliche Zukunft zu gehen.“ 

In: Psychosoziale und Medizinische Rehabilitation 2024-4
Return to Work bei Arbeitslosen: Aufsuchende Beratung und Arbeits(markt)fähigkeits-Assessment
Beate Muschalla, Celine Elster (Hrsg.)

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