Studium: Emotionale Erschöpfung ist häufig – und meist vermeidbar

Mehr als ein Drittel der Studierenden in Deutschland leidet unter emotionaler Erschöpfung, mehr als die Hälfte unter Konzentrationsstörungen. Am stärksten betroffen sind die Fächer, in denen am meisten memoriert werden muss: Sprachwissenschaften und Jura. Die aktuelle Studie der Techniker-Krankenkasse zeichnet eine dramatische negative Entwicklung in Hochschulen. Häufiger Prüfungsstress und Angst vor ungünstiger Benotung sind die wichtigsten Belastungsfaktoren. Der Stress ließe sich allerdings wesentlich reduzieren, postuliert der Arbeitspsychologe Prof. Dr. Manfred Mühlfelder.

Quelle „Techniker Krankenkasse“

Quelle „Techniker Krankenkasse“

Quelle „Techniker Krankenkasse“

In seinem Reader „Studieren macht krank oder Freude“ erklärt er Dozierenden ebenso wie Studierenden, wie ihre Arbeit ebenso zweckmäßig wie erfolgreich umgesetzt werden kann. Die Grundlage bietet die Entwicklung einer verbesserten Selbstregulation, also:

  • „Schärfung des Selbstkonzeptes und positive Selbstwahrnehmung, z.B. durch Formulierung von persönlichen Glaubenssätzen, Verhaltensabsichten und verhaltensbezogenen Gesundheitsnormen
  • Stärkung von Selbstwirksamkeitsüberzeugungen z.B. durch die Bewusstmachung von handlungsbezogenen Konsequenzen eigenen Tuns
  • Stärkung sozialer und emotionaler Kompetenzen, z.B. durch Rollenspiele im Lern- und Prüfungskontext
  • Stärkung der Fähigkeiten zum komplexen Problemlösen, z.B. durch Analyse und Strukturierung von Informationen, Ableiten und Visualisieren von motivierenden Zielzuständen, Beschreibung von Soll-Ist-Abweichungen, Konzeption, Durchführung und Evaluation von zielrelevanten Maßnahmen
  • Stärkung kognitiver und metakognitiver Fähigkeiten, z.B. durch Analyse des eigenen Lern- und Studienverhaltens, Formulierung effektiver Lernstrategien und Aktivierung von Ressourcen“

Gleichzeitig empfiehlt Mühlfelder den Studienorganisatoren:

  • Ausgewogene Arbeitsbelastung im Studienjahr
  • Reduktion informatorischer Erschwernisse
  • Reduktion von wertlosen Tätigkeiten
  • Erweiterung von Handlungs- und Entscheidungsspielräumen der Studierenden hinsichtlich Lern- und Prüfungsarrangements, didaktischer Gestaltung und selbstregulierten Lernens
  • Erweiterung der Möglichkeiten zum kollaborativen Lernen durch gemeinsam formulierte Lernziele und Aufgaben
  • Erweiterung der Wahlfreiheiten bezüglich Vertiefungsmodulen im Studienverlauf

Vor seinem arbeitspsychologischen Hintergrund begründet und konkretisiert Mühlfelder seine Empfehlungen – immer synchron mit Blick auf Lernende und Lehrende.

Studieren macht krank oder Freude
Anforderungen, Belastungen und Gesundheitsressourcen für Studierende und Dozierende in einer sich verändernden Hochschullandschaft
Mühlfelder, Manfred
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