Das Spiel – nicht Arbeit – schafft und verändert Kultur

„Da Spiel von der biologischen Bedürfnisbefriedigung abgekoppelt ist, wird es nicht durch Triebdruck beeinträchtigt und kann sich frei entfalten. Diese Beweglichkeit ist es, die dem Spielenden evolutionäre Vorteile verschafft, weil neue und damit fremdartige Situationen von ihm besser bewältigt werden können. Wer spielt, übt sich in Kreativität,“ schreibt der Entwicklungspsychologe Prof. Dr. Rolf Oerter. „Das Spiel – nicht Arbeit – schafft und verändert Kultur… Das Spiel war es, das den Menschen zum Herrn der Evolution gemacht hat. Spielerisch fiktiv kann man Realitäten entwerfen, die völlig anders sind als die gewohnte Realität.“

„Schon vor dem Auftreten der Hominiden bietet Spiel zusätzliche Vorteile, die später dem Menschen zugute kommen. Spiel ermüdet nicht oder wesentlich später als Arbeit. Es ist eine unversiegbare Quelle der Lust und stellt die Verbindung zur Umwelt gerade dann effizient her, wenn kein Bedarf an Nahrungsaufnahme oder -beschaffung besteht. Daher kann die Umwelt viel offener exploriert werden – wie man es bei jungen Säugetieren besonders gut beobachten kann…“

„Die individuelle Entwicklung des Spiels scheint dem Plan der Evolution zu folgen. Die Entwicklungslogik korrespondiert mit der Evolutionslogik. Dafür spricht, dass sich Spiel überall auf ähnliche Weise entwickelt: auf sensumotorischer Ebene ab dem ersten Lebensjahr, die Exploration als Suche nach Neuem im zweiten Jahr, die Ebene der Vorstellung und des Denkens gegen Ende des zweiten Jahres, die soziale Fähigkeit der Empathie mit vier bis fünf Jahren und die Ebene der Emotions- und Bedürfniskontrolle etwa ab fünf bis sechs Jahren …“

Kultur als Freund, Feind und Herr der Evolution

Oerter, Rolf

Pabst, 136 Seiten

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