Quereinstieg: Modell mit vielen Vorteilen

Viele Unternehmen in Deutschland beschäftigen Quereinsteiger. Die Erfahrungen mit den fachfremden Arbeitnehmern sind dabei fast durchgehend positiv. So sprechen einige Gründe dafür, diese Personen bei der Besetzung von offenen Stellen noch stärker zu berücksichtigen, berichtet das Institut der Deutschen Wirtschaft IWD.

Wenn ein Lehrer in der Altenpflege arbeitet, ein Kfz-Mechaniker als Installateur für Wärmepumpen oder ein Geisteswissenschaftler in der IT, dann liegt das nicht an einem Missverständnis im Bewerbungsgespräch, sondern an der bewussten Entscheidung für einen bestimmten Schritt: den Quereinstieg in einen anderen Beruf.

Dieser Weg kann nicht nur dem jeweiligen Arbeitnehmer neue Perspektiven eröffnen, er ist auch für Unternehmen eine gute Möglichkeit, ihre offenen Stellen zu besetzen. Entsprechend ist dies laut dem IW-Personalpanel in der Mehrzahl der Betriebe bereits Alltag:

Rund 61 Prozent der Unternehmen in Deutschland beschäftigen Quereinsteiger, weitere 4 Prozent planen dies.

Besonders verbreitet sind Quereinstiege in großen Unternehmen ab 250 Mitarbeitern – in gut acht von zehn Betrieben dieser Größe arbeiten fachfremde Beschäftigte. Viele davon kommen aus dem Ausland: In rund 40 Prozent aller Unternehmen mit fachfremdem Personal arbeiten Menschen mit ausländischem Berufsabschluss, in den großen Unternehmen sind es sogar fast 69 Prozent.

Berufsabschlüsse spielen bei der Stellenbesetzung auch generell eine große Rolle (Grafik):

In drei Viertel der Unternehmen mit Quereinsteigern hat mindestens eine dieser Personen eine abgeschlossene Berufsausbildung.

In so viel Prozent der Unternehmen dieser Größe, die Quereinsteiger beschäftigen, arbeiten Quereinsteiger mit diesem Qualifikationsniveau

Gut ein Drittel der Firmen beschäftigt Personen ohne Ausbildung als Quereinsteiger, jeweils rund ein Viertel zählt Personen mit Fortbildungs- oder Hochschulabschluss zur Belegschaft. Dass Akademiker unter den Quereinsteigern seltener vorkommen, dürfte schlicht daran liegen, dass ein Studium breitgefächerte Kenntnisse und Kompetenzen vermittelt und eine Tätigkeit somit seltener als berufsfremd eingestuft wird, als es bei Berufsabschlüssen der Fall ist, da diese meist zielgenau auf einen Einzelberuf vorbereiten.

Rund zwei Drittel der Unternehmen in Deutschland beschäftigen Quereinsteiger oder planen dies. Aufgrund des Fachkräftemangels wären grundsätzlich alle Unternehmen gut beraten, Stellenprofile flexibler zu gestalten.

Aus Sicht der Unternehmen lohnt es sich, bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter über den Tellerrand hinauszuschauen – insgesamt berichten fast neun von zehn Betrieben, die bereits Quereinsteiger beschäftigen, von guten Erfahrungen mit diesen. Rund drei Viertel geben an, entsprechende Arbeitnehmer würden ihre Belegschaft entlasten, gut zwei Drittel nehmen sie als besonders motiviert wahr. Dass Quereinsteiger innovative Ideen und neue Perspektiven mitbringen, bejaht rund die Hälfte.

Um dieses Potenzial zu nutzen, greifen die Unternehmen den fachfremden Neuankömmlingen auf verschiedene Weise unter die Arme. Kleine und mittlere Unternehmen setzen vor allem auf die Einarbeitung durch Mentoren aus der eigenen Belegschaft, Großunternehmen übernehmen häufiger Weiterbildungskosten oder unterstützen den berufsbegleitenden Erwerb von Teilqualifikationen. Am seltensten nutzen Unternehmen Partnerprogramme zur Vermittlung und Vorqualifizierung von Quereinsteigern –wenn sie dies tun, bewerten sie ihre anschließende Erfahrung mit den Beschäftigten allerdings besonders positiv.

Quereinstiege als Baustein einer langfristigen Personalstrategie

Trotz der vielen Vorteile greifen aber längst nicht alle Unternehmen auf Quereinsteiger zurück. Das liegt am häufigsten am Jobprofil (Grafik):

Gut 34 Prozent der kleinen und 42 Prozent der großen Unternehmen ohne Erfahrungen mit Quereinsteigern geben an, für sie keine geeigneten Einsatzbereiche zu haben.

So viel Prozent der Unternehmen dieser Größe ohne Erfahrungen mit Quereinsteigern stimmen diesen Aussagen zu

Zwar sind einige Berufe wie Arzt, Anwalt oder Statiker reglementiert und Quereinstiege ohne den Nachweis entsprechender Abschlüsse nicht möglich. Da aber nur rund 17 Prozent der kleinen und 31 Prozent der großen Unternehmen diesen Fall explizit nennen, ist eher davon auszugehen, dass viele Firmen die Chancen der Beschäftigung von Quereinsteigern schlicht noch nicht erkannt haben.

Aufgrund des Fachkräftemangels wären grundsätzlich alle Unternehmen gut beraten, Stellenprofile flexibler zu gestalten und ihren Fokus stärker auf Kompetenzen zu legen, anstatt ausschließlich nach Bewerbern mit passgenauer Ausbildung zu suchen. Arbeitgeber sollten Quereinstiege bewusst als Baustein einer langfristigen Personalstrategie betrachten und sie schon bei der Stellenausschreibung mitdenken, indem sie klar zwischen zwingend erforderlichen und entwickelbaren Fähigkeiten unterscheiden. Im Bewerbungsprozess können strukturierte Arbeitsproben, Praxistage und klar definierte Interviewleitfäden dabei helfen, die Eignung der fachfremden Bewerber systematisch zu erfassen.

So viel Prozent der Unternehmen antworteten so auf die Frage, ob sie Quereinsteiger beschäftigen

Quelle: https://www.iwd.de/artikel/quereinstieg-modell-mit-vielen-vorteilen-683014/

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